Zum idealen Kandidaten dank Community-Entscheid

Das eigene Recruiting teilweise „auslagern“ und eine Community bis zum einem gewissen Grad darüber entscheiden lassen, wer den ausgeschriebenen Job bekommt: So werden die Auswahlverfahren auf der amerikanischen Plattform „Dreamjobbing“ durchgeführt. Wie funktioniert dies und was sind die Learnings für Rekrutierer?

Der Einbezug einer Community bei der Auswahl eines geeigneten Jobkandidaten mag teilweise noch etwas utopisch tönen – wurde aber zum Beispiel von der Swiss bereits einmal erfolgreich umgesetzt.

Wie funktioniert das Ganze?

Auf dem Job Board von Dreamjobbing.com sind verschiedene Traumjobs ausgeschrieben. Viele Jobs werden dabei in Video-Form präsentiert. Hier ein schönes Beispiel des Tourismusbüros von Norwegen, welches einen Reisefotografen sucht.

Dreamjob Fotojournalist

Wer sich für diesen Job bewerben möchte, lädt ein 1minütiges Bewerbungsvideo hoch. Darin sollten einige aktuelle Fotobeispiele zu sehen sein und natürlich muss der Bewerber begründen, weshalb gerade er oder sie die richtige Person für diese Stelle ist.

Danach beginnt das Auswahlverfahren: Wer sein Bewerbungs-Video hochgeladen hat, kann dafür in sozialen Netzwerken Werbung machen. Jeder Traumjob hat eine individuell festgelegte Bewerbungsfrist, in welcher die Bewerber möglichst viele Stimmen sammeln sollten. Nach einer bestimmten Frist wird eine Shortlist veröffentlicht. Im Anschluss werden die Kandidaten der Shortlist von der Firma zu einem Jobinterview eingeladen.

Die Community gibt den Kandidaten somit den ersten Schub Richtung Vorstellungsgespräch – danach müssen die Kandidaten die Firma überzeugen, dass sie die richtige Person für den entsprechenden Job sind. Der Gewinner, welcher den Job erhält, wird natürlich auf der Website vorgestellt – inklusive dem Original-Bewerbungsvideo.

Learnings für Rekrutierer

Zugegeben: Viele Firmen haben tendenziell eher keine „Once in a Lifetime“-Jobangebote, wie sie auf Dreamjobbing.com vorgestellt werden. Oder hat jemand gerade zufälligerweise eine Vakanz als Background-Sängerin bei einem internationalen Popstar zu besetzen? 😉 Nichts desto trotz können Rekrutierer aus dem Auswahlverfahren auf dieser Plattform etwas lernen. Nämlich:

Video-Inhalte sind top

Wer bei Stellenanzeigen (auch) auf Videos statt nur auf Text-Inserate setzt, hat die Nase vorn – auch in den Suchmaschinen-Resultaten. Rekrutierungsvideos sind bei Kandidaten sehr beliebt und geben dem Arbeitgeber die Möglichkeit, einen Beruf in verschiedenen Facetten vorzustellen. Hier einige Beispiele von gelungenen Rekrutierungsvideos.

Employer Branding über die Stellenausschreibung hinaus

Wenn ein Tourismusbüro einen Reisefotografen sucht oder ein Hilfswerk einen Blogger sucht, wird damit nicht nur die ausgeschriebene Stelle promotet. Sondern vielmehr auch die jeweilige Destination als Reiseziel und das Hilfswerk als Organisation, die man unterstützen könnte. Dies ohne werberischen Beigeschmack. Die emotionale Ansprache ist also eine wichtige Komponente, die man bei der Produktion eines solchen Job-Videos beachten sollte. Dass dies auch bei einem Job funktionieren kann, der nicht im malerischen Hawaii ausgeschrieben ist, zeigt dieses Beispiel hier. Das Employer Branding reicht somit über die reine Stellenausschreibung hinaus.

Hohe Viralität

Auch werden die ausgeschriebenen Traumjobs von den Nutzern auf den verschiedensten sozialen Netzwerken geteilt und erreichen damit eine hohe Reichweite. Die Bewerber, die auf Stimmenfang sind, werden natürlich auch alles dafür tun, dass ihr Bewerbungsvideo so viele Views wie möglich und dadurch ganz viele Stimmen erhält. Je nachdem, wie gut vernetzt jemand auf den sozialen Netzwerken ist, haben solche Posts das Potenzial für eine sehr hohe Viralität. Durch die Viralität stossen wiederum neue mögliche Interessenten auf die Jobausschreibung, was wiederum die Anzahl potentieller Bewerber steigen lässt.

Die Crowd bestimmt mit, der Prozess ist öffentlich statt geheim

Der ganze Bewerbungsprozess wird auf dieser Plattform öffentlich gemacht. Somit haben bei der Auswahl des geeigneten Kandidaten nicht nur interne Personen das Sagen, sondern es werden viele weitere Personen miteinbezogen. Dadurch wird der ganze Bewerbungsprozess demokratisiert und es haben mehrere Meinungen Einfluss darauf, ob eine Person angestellt wird. Ein Personal-Entscheid fällt so möglicherweise anders aus, als wenn nur eine einzelne Person darüber entscheidet, wer überhaupt für ein Vorstellungsgespräch eingeladen wird.

Fazit: Ein spannender Ansatz, der nicht nur mit spannenden Traumjobs in exotischen Ländern funktionieren kann.

Wie finden Sie den Rekrutierungs-Ansatz, der auf dieser Plattform verfolgt wird?

 

 

 

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1 Comment
  • Woche 15 - Aufgelesen - EBXX

    9. April 2015 at 9:46

    […] Wer eingestellt wird, entscheidet sich normalerweise intern. Und das Wort „Auslagerung“ hört sich in den Ohren der Meisten an wie das Kratzen einer Kreide über die Wandtafel. Es kann aber auch zum Erfolg führen, das eigene Recruiting teilweise „auszulagern“ – zum Beispiel an eine Community. Eine Plattform dafür bietet dreamjobbing.com. Hier entscheidet die Community anhand von Bewerbervideos mit, wer den freien Traumjob bekommen soll. Zum Blogbeitrag … […]

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