So viele Ferien machen, wie man will – ein Argument bei der Rekrutierung?

Letzte Woche sorgte eine Ankündigung von Virgin Chef Richard Branson für einiges an Aufsehen: Arbeitnehmer sollen so lange bezahlte Ferien nehmen können, wie sie wollen – ohne Kontrolle durch den Arbeitgeber. Kann ein solches Ferienmodell funktionieren?

Auf seiner Unternehmenswebseite virgin.com veröffentlichte Richard Branson ein Statement, in welchem er das Ferienmodell vorstellte. Sein Modell ist allerding nicht ganz neu, andere amerikanische Firmen wie z.B. Netflix haben dieses schon länger. Die Angestellten können so viele bezahlte Ferien nehmen, wie sie wünschen – unter der Bedingung, dass die Arbeit und die Projekte nicht darunter leiden. Die Ferien müssen nicht von einem Vorgesetzten bewilligt und auch nicht abgerechnet werden. Branson hat diese Ferienregelung als Testphase für einen Teil seines Imperiums eingeführt – wenn sich das Modell bewährt, soll es in allen Firmenbereichen und Tochtergesellschaften eingeführt werden.

Richard Branson Virgin

Incentive für die Generation Y?

Dieses Ferienmodell als Teil der Unternehmenskultur könnte natürlich ein Argument für Stellensuchende sein. So wurde in vielen Kommentaren im Netz beispielsweise erwähnt, dass gerade die Millenial-Generation solche Ferienlösungen bestimmt begrüssen würde. Schliesslich müssen sich Arbeitgeber heutzutage das gewisse etwas MEHR einfallen lassen, um Mitglieder der Generation Y als Arbeitnehmer zu gewinnen (siehe auch diesen Artikel zum Thema). Dass gerade die Generation Y auf diese Regelung anspricht, dürfte nicht von der Hand zu weisen sein.

PR-Stunt oder produktivitätssteigernde Massnahme?

Die Kommentare im Netz zu dieser Ankündigung fielen geographisch unterschiedlich aus. Während sich in den USA verschiedene Arbeitgeber und Arbeitnehmer sehr wohlwollend über dieses Modell äusserten, wurde es nach den Berichten in den europäischen Medien eher kritisch aufgenommen.

Die Begründung, dass ein solches Modell sich in Zeiten, in welchen auch keine fixen Arbeitszeiten mehr herrschen, bewähren könnte, ist nachvollziehbar. Und doch stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit: Kann das Arbeitsvolumen tatsächlich so geplant werden, dass man als Arbeitnehmer problemlos eine mehrmonatige Absenz einlegen kann? Gibt es in einem Team nicht Unruhe und Missgunst, wenn der Ferienanspruch nicht mehr einheitlich für alle im Arbeitsvertrag festgehalten wird, sondern vielmehr jeder tut, was er für gut befindet? Was geschieht, wenn zu viele Mitarbeiter zur gleichen Zeit Ferien nehmen wollen – wie wird entschieden, wessen Anspruch Priorität hat?

Eine Überregulierung der Anstellungsbedingungen kann von Angestellten als negativ und einengend empfunden werden. Ob dieses von Branson präsentierte Modell dagegen nicht zu einer Unterregulierung führt, ist ein grosses Fragezeichen. Von verschiedenen Medien wurde auch gemunkelt, das präsentierte Ferienmodell sei nur ein PR-Stunt von Branson, um sein Leadership-Buch „The Virgin Way“ ins Gespräch zu bringen. Ob sich das Ferienmodell bewähren wird oder nicht: Für Aufsehen sorgte das Thema definitiv.

Wie würden Sie darauf reagieren, wenn Sie plötzlich unlimitiert Ferien nehmen könnten?

 

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