Sind Arbeitgeberbewertungsplattformen relevant?

Johann Meier hat ein lukratives Jobangebot bei einer bekannten Firma. Da er weiss, dass heute viele Arbeitgeber ihre zukünftigen Mitarbeiter vorher googlen oder Informationen in bekannten Social Networks wie Facebook oder Studi-VZ über sie einholen, denkt er sich, dass er diesen Spiess eigentlich gerne mal umdrehen würde.

Zuerst befragt er Google nach seinem zukünftigen Arbeitgeber, findet aber ausser einigen Pressetexten nichts Relevantes. Allerdings wollte Johann keine abgesegneten Texte von der Firma lesen, sondern Informationen über das Arbeitsklima sowie dem Chef-Angestellten Verhältnis einholen.

Johann erinnert sich vor kurzem im Internet auf das Bewertungsportal Kununu gestossen zu sein. Kununu ist ein Portal auf dem Arbeitnehmer ihre Arbeitgeber anhand von vorgegebenen Kriterien bewerten können.

Der Gründer von Kununu, Martin Poreda, kam vor einiger Zeit aus ganz ähnlichen Beweggründen auf die Idee für dieses Bewertungsportal. Er wollte in Erfahrung bringen, ob Henkel über eine Kantine verfügt. Allerdings fand er im Internet keine Angaben. Inzwischen hat Martin Poreda Anteile von Kununu verkauft und hat bekannt gegeben, dass im Juni eine Million auf die Seite zugegriffen haben. Ein gewisses Bedürfnis scheint also vorhanden zu sein…

Wie funktioniert die Bewertung?

Die User bewerten anhand von vordefinierten Kriterien das jeweilige Unternehmen. Mittels klassischer Schulnoten wird dann am Ende ein Gesamtergebnis errechnet. Doch nicht nur Kununu wendet dieses Prinzip an, auch andere Bewertungsplattformen wie Kelzen, Arbeitgebercheck, Jobvoting oder Evaluba verfahren ähnlich.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Unternehmen können sich mit einem eigenen Profil auf der Plattform entsprechend präsentieren, unter anderem mit einem Video.

Wo liegen die Nachteile?

Im Durchschnitt hat Kununu pro Arbeitgeber etwa drei Bewertungen. Daher erwecken die Resultate nicht unbedingt den Eindruck repräsentativ zu sein. Es wird allerdings gemeinhin angenommen, dass die ganze Entwicklung noch am Anfang steht. Damit könnten also in naher Zukunft deutlich mehr Resultate für ein Unternehmen vorhanden sein.

Umso mehr Nutzer ihre Bewertungen abgeben werden, desto mehr Persönlichkeitsverstösse wird es auch geben. Aktuell hat Kununu bereits von 45.000 eingereichten Beiträgen 15.000 auf Grund von Verstössen gegen die Richtlinien sperren müssen – das ist ein Drittel! Daher arbeitet Kununu mit drei Anwaltskanzleien zusammen, um sich gegen solche Verstösse ausreichend absichern zu können.

Wie versuchen die Plattformen solche Persönlichkeitsverstösse zu mindern?

Laut Martin Poreda, Geschäftsführer von Kununu, werden keine Negativbeiträge mehr geduldet. Lediglich Verbesserungsvorschläge dürfen angeführt werden.
Ebenso führt dieser an, dass die Firmen auch keine Chancen hätten, Lobbyingarbeit zu betreiben.

Wie sieht der Standpunkt der Firmen aus?

Martin Mayer, Eigentümer der Personalberatung Iventa beispielsweise ruft seine Mitarbeiter dazu auf, Bewertungen abzugeben. Zwar sieht dieser die Objektivität ebenfalls noch als kritisch an, jedoch warnt er auch ausdrücklich davor, die Plattformen einfach zu ignorieren.
Wie auch in vielen anderen Bereichen verfährt hier jede Firma individuell.

Fazit

Johann hat sich inzwischen mittels Kununu über die Firma informiert. Er hat zwei sehr interessante Bewertungen gelesen, ist sich aber im Klaren darüber, dass persönliche Gespräche den allgemeinen Eindruck einer Firma nicht ersetzen können. Dennoch findet er die Bewertungsplattformen generell sinnvoll und nimmt sich im Sinne des Web 2.0 vor, mit einem eigenen Beitrag, zu seinem alten Arbeitgeber, einen Beitrag an die Allgemeinheit zu leisten.

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