Eine Frau lacht und sitzt an einem Tisch

Machen Sie das Interview zum Highlight

Das Interview im Bewerbungsprozess liegt beiden begeisterten Recruiterinnen Sonja Auf der Maur und Désirée Nater ganz besonders am Herzen. Im Rahmen von www.hrbegeistert.ch geben sie in ihren praxisnahen Firmenkursen Vorgesetzten ihr breites Wissen zum Thema Rekrutierung weiter und helfen ihnen, das Interview so zu gestalten, dass es für beide Seiten zu einem echten Highlight wird. Heute nutzen sie den Prospective Blog, um Ihnen das Thema näherzubringen.

Wie war Ihr letztes Interview? Nicht jenes auf der Recruiterseite, sondern jenes als Kandidat*in. Wie viele Sterne würden Sie Ihrem Gegenüber geben? Ich erinnere mich noch gut an mein letztes Vorstellungsgespräch. Mit etwas erhöhtem Puls, weil das Tram wegen einer Baustelle nicht so fahren wollte, wie ich das recherchiert habe, aber vorfreudiger Stimmung auf das, was kommt, wurde ich sehr freundlich empfangen. Und so verlief auch das Gespräch; wohlwollend und angenehm. Klar, es war auch fordernd, aber auf eine gute, faire und transparente Art und Weise.

Ein gegenseitiges Kennenlernen

Ist es nicht so, dass wir als Arbeitgeber spätestens dann so richtig zeigen können, was wir draufhaben, wenn wir Bewerbende zum Gespräch empfangen? Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können wir uns als Arbeitgeber nicht erlauben, Bewerbende mit einem unsympathischen Interview zu vergraulen. Genau wie sich die Kandidat*innen bei uns bewerben, bewerben wir uns auch bei diesen. Nehmen wir doch deshalb die Herausforderung an, das Interview zu einem wahren Highlight werden zu lassen. Es versteht sich von selbst, dass es auch anspruchsvoll sein darf und wir als Arbeitgeber genau prüfen müssen, ob die Person wirklich passt. Aber lassen wir die Candidate Experience dabei nicht ausser Acht. Denn auch die Kandidat*innen prüfen kritisch, ob Sie der richtige Arbeitgeber, ja, der passende Chef, sind. Es muss deshalb das Ziel eines jeden Recruiters und jeder Führungskraft sein, die Stimmung während des Gesprächs so positiv zu prägen, dass wir die Bewerbenden nicht nur als Software Engineer, Pilotin oder Florist, sondern ganz grundsätzlich als Menschen besser kennenlernen. Nur so gelingt es wenigstens ansatzweise herauszufinden, ob sich die gegenseitigen Wertvorstellungen decken.

Das können Sie tun

Was heisst das nun konkret? Nehmen Sie Ihren Bewerbenden doch schon bei der telefonischen Einladung zum Gespräch die erste Nervosität, in dem Sie erklären, wer alles am Gespräch mit dabei sein wird, wie lange dieses ungefähr dauert, wer die Person abholen wird und dass das Treffen dazu dienen soll, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Brechen Sie mit dem Kopfkino eines Verhörs, das noch so fest in den Vorstellungen von vielen verankert ist, wenn wir an ein Vorstellungsgespräch denken. Wählen Sie für das Gespräch einen passenden Ort, an dem Sie ungestört sind und kein Telefon der Beteiligten klingelt. Ja, auch das ist Candidate Experience; Sie schenken den Bewerbenden ungeteilte Aufmerksamkeit. Dass Sie ein Glas Wasser oder einen Kaffee anbieten, ist hoffentlich in nicht Coronazeiten selbstverständlich. Nun zum Start: Wie wäre es, wenn Sie zuerst erzählen, warum Sie mit Begeisterung hier arbeiten, was es aus Ihrer Sicht so besonders macht, Teil Ihres Teams zu sein oder auch, welchen echt spannenden Herausforderungen Sie sich stellen. Das mag ein völliger Paradigmawechsel sein. Aber setzen Sie sich doch gedanklich einmal auf den Stuhl Ihrer Bewerbenden; wäre ein solcher Einstieg nicht toll zu erleben und würde er die Atmosphäre nicht ganz grundsätzlich positiv beeinflussen?

Diese Fragen sollten Sie sich stellen

Überlegen Sie sich für den eigentlichen Interviewteil Fragen, welche einen wirklichen Mehrwert bringen und machen Sie sich Gedanken dazu, welche Unternehmens- oder Teamwerte die Bewerbenden teilen sollten. Gehen Sie mit Ihren Fragen explizit auf die Punkte ein, welche die Stelle herausfordernd, speziell oder eben nicht alltäglich machen und verabschieden Sie sich bitte von Standardfragen, welche Google & Co. hergeben. Und denken Sie auch gegen Ende des Gesprächs an die Candidate Experience, indem Sie vereinbaren, bis wann sich wer und in welcher Form zurückmeldet. Auch das mag banal klingen. Aber wenn die gesuchten Fachkräfte mehrere Jobs zur Auswahl haben, sind es genau diese kleinen Dinge, welche den Ausschlag dafür geben können, dass sie sich für Ihr Unternehmen entscheiden.

Denken Sie also im ganzen Rekrutierungsprozess und ganz besonders im Interview immer daran: wenn Sie Ihre Rolle als Botschafter*in des Unternehmens so richtig gut wahrnehmen, gewinnen Sie nicht nur die besten Fachkräfte für sich, sondern kriegen von den Bewerbenden auch fünf Sterne.

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