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Gendergerechte Stellen ausschreiben – darauf kommt es an

Seit einiger Zeit ist der typisch maskulinen Form – und der ebenfalls vertretenen weiblichen Form – in Stellenausschreibungen nun auch ein «d» hinzugefügt worden. Ziel dabei: genderneutral und zielgruppengerecht agieren. Doch nicht alle Unternehmen sind überzeugt, dass das generische Maskulinum nun Gesellschaft erhält. Wie und warum eine gendergerechte Ansprache in Stellenausschreibungen wichtig ist, verraten wir Ihnen hier.

Diversität geschieht nicht von heute auf morgen

Lange Zeit war es die Norm, nur die männliche Anrede in Stellenausschreibungen zu nutzen. Dass dabei die Geschlechtergleichstellung auf der Strecke bleibt, ist klar. Unklar ist jedoch noch vielen Firmen das damit verbundene gendergerechte Schreiben. Dabei spalten sich die Gemüter. Denn die Meinung, dass das Gendern die deutsche Sprache zerstört, völlig unsinnig und eine Zeitverschwendung ist, hört man leider nur allzu oft. Diese Gedanken werden oftmals von traditionellen Rollenbildern und Klischees begleitet. Beste Beispiele: Wer eine Teamleitung sucht, denkt vielleicht eher an einen Mann, als an eine Frau. Eine Putzhilfe hingegen wird wohl eher dem weiblichen Geschlecht zugeschrieben. Damit diese veraltete Denkweise aufgebrochen und revolutioniert wird, können Unternehmen bereits bei der Stellenausschreibung gendern. Anders als bei unseren deutschen Nachbarn müssen Unternehmen in der Schweiz noch nicht geschlechtsneutral ausschreiben, lange auf sich warten lässt dies aber wohl auch nicht mehr. Dabei muss aber eines klar sein: Es bringt leider wenig, wenn die offene Stelle und das Bewerbungsgespräch Werte und Normen versprechen, die das Unternehmen anschliessend nicht einhält. Gendern und die damit verbundene Diversität kann nicht nur auf dem Papier stattfinden, sondern muss auch in der Firmenkultur gelebt werden.

Wie können Stellenausschreibungen gendergerecht geschrieben werden?

Wer noch auf dem Feld unsicher ist, kann sich an folgende Formulierungen halten:

  • Schreiben Sie beide Geschlechtsformen auf. Beispiel: Projektleiter / Projektleiterin
  • Nutzen Sie gegebenenfalls auch den Doppelpunkt. Beispiel: Projektleiter:in
  • Durch ein Sternchen können Berufsbezeichnungen gekennzeichnet werden. Beispiel: Projektleiter*in.

 

Das sollten Sie vermeiden
  • Vermeiden Sie eine Ansprache, bei der nur Männer oder nur Frauen gesucht werden.
  • Eine gendergerechte Überschrift mit einem neutralen Text sind das A und O. Fehlt das Gendern im Fliesstext, zeigt es, dass das Unternehmen nicht wirklich hinter der gendergerechten Schreibweise steht.
  • Die Stelle nur als m/w/d ausschreiben und dann nicht näher darauf eingehen oder widersprüchlich schreiben – etwa wieder ins Maskulinum zu fallen – sollte ebenfalls vermieden werden.

 

Welche Effekte hat das Gendern?

Frauen werden sichtbarer. Jahrhundertelang wurden Frauen unter den Scheffel gekehrt. Mit der gendergerechten Schreibweise wird diesem Effekt entgegengewirkt. Das Einbeziehen ermöglicht ein Umdenken, sodass eine Reduzierung von Geschlechterstereotypen stattfindet.

Der Ton macht die Musik. Achten Sie bei der Beschreibung der offenen Stelle auf die Wortwahl. Einige Adjektive beispielsweise werden eher dem männlichen Geschlecht zugeschrieben. Sollen auch andere Geschlechter angesprochen werden, sollte eine Mischung stattfinden. Beispiel: statt energisch könnte auch teamfähig oder zuverlässig stehen.

Mehr Diversität dank Gendern. Tatsächlich zeigt sich, dass sich auf eine gegenderte Stellenausschreibung nicht nur Männer mittleren Alters bewerben. Wer also nach Diversity strebt, macht mit der Ausschreibung den ersten Schritt.

Geschlechterrollen verändern sich. Dieser Effekt ist noch in den Kinderschuhen und wird sich wohl erst in einigen Jahren richtig bewähren. Grundsätzlich können wir aber davon ausgehen, dass eine neutrale Sprache Platz für lockere Geschlechterrollen bietet.

Hat das Gendern Nachteile?

Irritation. Veränderungen werden zunächst von vielen als störend oder irritierend betrachtet. Die Eingewöhnungszeit, also, bis das Gendern als normal betrachtet wird, wird bei einem so tief sitzenden Denken nicht von heute auf morgen gehen. Rechnen Sie mit einigem Unmut. Es wird sich jedoch lohnen.

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