Oncle Sams Hand streckt sich aus

Finden Sie die richtige Ansprache im Bewerbungsprozess

«Sehr geehrter Herr, Frau…» oder «Ihre Stellenausschreibung…» So oder so ähnlich lernen alle die typischen Ansprachefloskeln. Sei es jetzt aus Kandidatensicht oder auf Unternehmensseite. Doch der Trend, das Duzen im Bewerbungsprozess zu verwenden, nimmt langsam Fahrt auf. Was Sie dabei beachten müssen, lesen Sie hier.

Sie oder Du?

Jahrelang waren wir es gewohnt, jeden, den man nicht kennt, zu siezen. Denn in der deutschen Sprache wird dies mit Höflichkeit gleichgesetzt. Dabei werden vor allem E-Mails, Briefe und Stellenanzeigen mit dieser Anrede bedient. Kompliziert wird es spätestens dann, wenn man sich nicht sicher ist, ob das Sie noch angebracht ist. Kennt man die Person gut genug für ein Du? In der Schweiz bleibt man zumeist auf der sicheren Seite und nutzt das Sie als üblichste Form. Nur wenige Unternehmen ziehen das Du konsequent durch. Unterschiede sind auch in der Deutschschweiz und der Romandie zu erkennen. Auf Französisch wird häufiger noch gesiezt. Dennoch haben einige Unternehmen in den letzten Jahren eine Veränderung bemerkt oder sind selbst Teil davon. Das Du tritt jetzt immer häufiger in Stellenanzeigen auf. Heisst das jetzt, dass Firmen ihre Kandidaten nicht respektieren?

Mit der Zeit mitgehen?

Natürlich nicht. Der Gedanke dahinter ist leicht zu erklären: Wer das Du als Anrede zum Einsatz kommen lässt, möchte lediglich Nähe und Modernität vermitteln. «Möchtest du Teil unseres Teams werden? Dann bewirb dich…» So eine Anrede war lange nicht üblich, kann aber besonders gut bei jungen Menschen funktionieren, die eine Lehrstelle suchen. Denn viele, die zwischen 15 und 18 sind, fühlen sich mit dem Siezen einfach nicht angesprochen. Dass diese neue Art Kandidaten anzusprechen verwirren kann, ist wohl jedem klar. Besonders Berufserfahrene, die schon jahrelang auf dem Arbeitsmarkt sind, kann die neue Anredeform verunsichern.

Das müssen Sie beim Duzen beachten

Wenn Ihr Unternehmen auf das Du in der Stellenanzeige umsteigen möchte, sollten Sie sich vorab einige Gedanken dazu machen.

  • Passt die Anrede zur Firmenkultur?
  • Um welche Stelle handelt es sich / Wer wird angesprochen?
  • Zieht sich die Ansprache konsequent durch?

Der wohl häufigste Fehler, den Unternehmen mit der Du-Ansprache machen, ist, diese nicht einheitlich durchzuziehen. Zwar sind Mischformen völlig in Ordnung und auch oft zu erwarten – zum Beispiel beim Lehrling und Lehrmeister – sie sollten aber nicht zu wirr sein. Achten Sie bei der Stellenausschreibung und auch im restlichen Bewerbungsverfahren auf Einheitlichkeit. Also:

  • Sind die Headlines der Stellenanzeige passend zum Text?
  • Wird überall im Text das Du oder Sie konsequent durchgezogen?
  • Wird das Du auch tatsächlich in der Stellenanzeige genutzt? Oder wirkt es hölzern und ein Mittel zum Zweck?
  • Werden die Kandidaten später auch mit der gleichen Form angesprochen? (Antwort-E-Mail, Telefongespräch oder im Bewerbungsgespräch?)

 

Wann Sie lieber nicht duzen

Duzen Sie ihre potenziellen Kandidaten nicht, wenn Ihre Firmenkultur nicht dazu passt. Herrscht eine klare Hierarchie oder eine traditionell höfliche Ansprechkultur, sollten Sie das Du sein lassen. Unangenehm wird es vor allem dann, wenn das hippe Image erzwungen wirkt. Denn die Kandidaten werden spätestens im Bewerbungsgespräch spüren, dass das erwartete Du, und die damit verbundene Erwartungshaltung, nicht zum Tragen kommt. Das kann zu Enttäuschung und somit auch zu Absagen kommen. Ein guter Zwischenweg ist es, auf der Webseite oder gleich im Gespräch auf die Du- oder Sie-Kultur in der Firma hinzuweisen. Heisst, potenzielle Mitarbeitende oder Kaderfunktionen werden gesiezt, untereinander wird geduzt.

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