Ralf Ploner

DER FOKUS AUF DIE SKILLS – JETZT ABER RICHTIG!

Ohne Mitarbeitende kein Unternehmen. So viel ist klar. Unklar ist aber noch vielen, wie man die Skills der Angestellten richtig einsetzen kann. Ralf Ploner ist HR Digital Officer bei Swisscom AG und Senior Manager bei Avenir Consulting AG und befasst sich genau mit diesem Thema. Sein Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung des HR-Bereichs, wobei er im Thema Skill Management eine grosse Leidenschaft entwickelt hat. Wir durften ihm dazu einige Fragen stellen.

Q1: Jeder Mitarbeitende bringt seine ganz eigenen Kompetenzen mit sich, die, richtig eingesetzt, unermesslich für das Unternehmen sind. Du hast diesen wichtigen Ansatz erkannt und innerhalb der Swisscom das Produkt «skillPORT» entwickelt. Wie ist die Idee entstanden und wie funktioniert das Tool?

A: In der HR-Szene wurde in den letzten Jahren immer wieder der Trend ‘Skills are the new currency’ zitiert. Und wenn man sich im Markt, im Bildungswesen und in den firmen-internen HR-Prozessen umschaut, dann kann man diese Botschaft absolut bestätigen. Sei es im Rekrutieren, in der persönlichen Entwicklung der Mitarbeitenden oder in den operativen Ressourcenmanagement-Prozessen – die einzelnen Kompetenzen oder eben die “Skills” spielen eine immer wichtigere Rolle. Das ist auch in den HR-IT-Systemen spürbar. Überall werden die Skills-Profile der Mitarbeitenden benötigt. Das ist aber auch problematisch, denn die Realität in vielen Firmen ist, dass eine Vielzahl von Systemen im Einsatz ist. Da kann man von den Mitarbeitenden nicht erwarten, dass sie immer wieder bei null starten respektive immer wieder neu ihr Skill-Profil erfassen müssen. Deshalb habe ich das Produkt “«skillPORT»” bauen lassen. Dank diesem ist es möglich, dass die Mitarbeitenden überall, d.h. in den verschiedensten Firmensystemen ihre Skill-Profile aktualisieren können.

Q2: Wie können die Mitarbeitenden von deinem Tool profitieren?

A: Vor dem Computer zu sitzen und der Aufforderung nachkommen zu müssen, die persönlichen Skills zu erfassen – das macht nicht wirklich Spass. Wenn man hingegen die richtigen Tools an den «skillPORT» anschliesst, dann sieht die Situation schon ganz anders aus. Beispielsweise haben wir bei Swisscom People-Analytix, ein Schweizer Software-Produkt, im Einsatz. Mit dem können die Mitarbeitenden ganz einfach und spielerisch ihre Skill-Reise starten und erhalten unmittelbaren Nutzen, indem ihnen das System aufzeigt, welches der nächste Karriereschritt sein könnte. Weitere Tools, die unter anderem das lebenslange Lernen unterstützen, sind ebenfalls am «skillPORT» angeschlossen respektive Teil dieses Ökosystems.

Q3: Und warum investiert die Swisscom in das Thema Skill Management?

A: Sehr operative, aber auch strategische Gründe sprechen dafür, die Skill Management-Prozesse im Unternehmen auf einen hohen Reifegrad zu entwickeln. Auf der operativen Seite kommt es beispielsweise immer mal wieder vor, dass Kunden vereinzelte Spezialisten-Skills nachfragen, die in einer komplexen Struktur wie die der Swisscom gar nicht einfach aufzuspüren sind. Auf der strategischen Seite ist wiederum klar, dass es in Zukunft noch viel mehr darauf ankommt, die richtigen Skills am richtigen Ort verfügbar zu haben – im Fachjargon spricht man auch von ‘Strategic Workforce Management’. In jedem Fall liegen der Swisscom die Menschen am Herzen. Ihre Skills sind entscheidend, um im Job fit zu bleiben oder für den Arbeitsmarkt fit zu werden.

Q4: Welchen Einfluss nimmt das Skill Management auf die Rekrutierungsprozesse?

A: Skill Management konsequent gelebt, bedeutet, dass bereits beim ersten Kontakt mit potenziellen Kandidaten über die gesuchten Skills gesprochen wird. Genau in diesem Sinne hat Swisscom dieses Jahr einen neuen Karriereauftritt lanciert, in dem bereits auf dem Inserat die Kandidaten und Kandidatinnen die Möglichkeit haben, ihren persönlichen “Match” über einen Skill Check zu überprüfen. Und wenn sie dann schon ihre Skills bekannt gemacht haben, dann wird zukünftig der «skillPORT» sicherstellen, dass dies kein zweites Mal im Onboarding-Prozess notwendig wird.

Q5: Verstanden, Skill Management wird immer wichtiger für die Unternehmen. Aber gibt es auch Stolpersteine, die auf diesem Weg zu berücksichtigen sind?

A: Ja, diese gibt es definitiv und es ist leider häufig festzustellen, dass der Komplexität in diesem Thema zu wenig Rechnung getragen wird. Beim ersten Augenschein wirkt auch alles ganz einfach. Wenn die Menschen ihre Skills bekannt gemacht haben, dann können wir vermeintlich sehr schnell die interne Mobilität verbessern. Suchen wir beispielsweise nach JAVA-Skills – finden wir diese auf Knopfdruck. Schön wäre es – leider ist die Realität eine andere. Denn viele Spezialisten werden andere Skill-Begriffe wählen – z.B. “J2EE”, was die Suche gerade wahnsinnig schwierig macht. Wir lösen dieses Problem bei Swisscom durch den Einsatz einer Ontologie, d.h. einer Systematik, in der jeder Skill-Begriff semantisch verortet ist. Ein nachhaltiges Skill Management zu etablieren ist also alles andere als trivial. Aber es lohnt sich!

Q6: Und wie können andere Unternehmen von dieser Innovation profitieren?

A: Swisscom hat entschieden den «skillPORT» nur intern zu nutzen und nicht dem externen Markt zur Verfügung zu stellen. Die Strategie von «skillPORT» hat sich aber absolut bewährt und es wird immer so sein, dass die Unternehmen die Skills ihrer Mitarbeitenden in unterschiedlichen Systemen benötigen. Ich bin also überzeugt, dass eine solche Technologie in den nächsten Jahren dem Markt zur Verfügung stehen wird. Wünschenswert wäre natürlich, wenn der Wirtschaftsstandort Schweiz hier eine starke Rolle spielt und sich beispielsweise einige Unternehmen für eine Co-Creation gewinnen lassen. Genau diese Idee wird übrigens auf skills.ch in naher Zukunft weiterverfolgt. Wir dürfen also gespannt sein!

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