ageing workforce

Studie: Das Potenzial der ageing Workforce mobilisieren

Unsere Gesellschaft überaltert. In zehn Jahren wird es in Wirtschaft und Verwaltung an Fachkräften fehlen. Alle sprechen von älteren Mitarbeitenden als Retter in der Not. Doch Ratlosigkeit macht sich breit, Politiker überbieten sich gegenseitig mit mehr oder weniger brauchbaren Ideen. Eine ageing workforce Studie  von metrobasel mit spannenden Erkenntnissen verdient in diesem Kontext Beachtung.

Wie die meisten Industrieländer erlebt die Schweiz einen massiven demographischen Wandel. Die Gesellschaft überaltert. Die Babyboomer kommen ins Rentenalter. In den nächsten Jahren fallen in Wirtschaft und Verwaltung viele qualifizierte Fachkräfte weg.

Ideen, die keiner will

Gewiss, das Thema der Aeging Workforce, der «Silberfüchse», als Wirtschaftsfaktor ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen. Rezepte aber, wie damit umzugehen sei, erweisen sich nicht selten als unzureichend oder ungeeignet. Defizite offen ansprechen und mittels Weiterbildung ausgleichen, rät etwa die Arbeitgeberseite. In der Politik appellieren die Bürgerlichen mit tieferen Beitragssätzen an die Pensionskasse, die Linken mit Kündigungsschutz für über 50-Jaehrige. Die Präsidentin der FDP Schweiz, Petra Gössi, plädiert für die «Bogenkarriere»: Ältere Arbeitnehmer geben Verantwortung ab und reduzieren ihr Pensum, dafür bleiben sie im Arbeitsmarkt. Das aber wollen die Silberfüchse nicht. Auch würde kein Unternehmen jemanden einstellen, dem man im Bedarfsfall nicht mehr kündigen kann.

Spannende Lösungsansätze zeigt die Studie «Ageing – Workforce – das Potenzial erkennen und mobilisieren» des Think Tanks metrobasel aus dem Jahr 20161), erstellt in Zusammenarbeit mit der ZHAW, der HTW Chur sowie Novartis und SBB. Im Wesentlichen sieht sie die zentralen Ansatzpunkte im innerbetrieblichen Kontext sowie beim Mitarbeiter selbst.

Hier können Sie sich den Bericht Aeging Workforce herunterladen (PDF 2,7 MB)

Beziehungen stärken, Arbeitsformen flexiblisieren

Eine weitere treibende Kraft für längere Erwerbsarbeit ist laut metrobasel-Studie die Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten. Formelle Weiterbildungen scheinen stark auf Möglichkeiten und Karriere von jüngeren Mitarbeitern ausgerichtet, weniger auf die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter. Führungspersonen wünschen sich zwar altersdurchmischte Teams, häufig aber sind sie sich den speziellen Herausforderungen einer grösseren Diversität  zu wenig bewusst. Vorurteile und ein nicht immer spannungsfreies Verhältnis zwischen jüngeren Führungskräften und älteren Mitarbeitenden deuten offenbar darauf hin.

Flexible Arbeitsformen schliesslich zeigen, dass eine Annäherung der Vorstellungen von älteren Mitarbeitenden und Führungskräften möglich ist. Anpassungen der Arbeitspensen, Flexibilität bezüglich Ferien und Zeitguthaben sowie bei der Wahl von Pensionierungsalter und -modell –

das wünschen sich ältere Mitarbeitende. Und Führungskräfte stehen diesen Wünschen, laut metrobasel-Studie, relativ offen gegenüber.

Umsetzung in der betrieblichen Praxis

Bessere Ausschöpfung des Potenzials der Silberfüchse zur Überwindung der Knappheit an Fachkräften – was bedeutet das für die betriebliche Praxis? Die ZHAW als Studienpartnerin beschreibt es unter anderem wie folgt 2):

  • Aufgeschlossene Unternehmens- und Führungskultur gegenüber der Ageing Workforce, fokussiert auf Vorteile und Chancen des Einsatzes von älteren Arbeitskräften.
  • Mobilisieren und Nutzen von Eigenmotivation, Eigeninitiative und Eigenverantwortung und dadurch den längeren Arbeitseinsatz als selbstständigen Prozess etablieren.
  • Massnahmen zur Personalführung, -organisation und-entwicklung ausarbeiten, die der sich verändernden Altersstruktur der Belegschaft gerecht werden.
  • Überführung von statischen Stellenprofilen in dynamischere Aufgaben, und somit
  • die Aeging Workforce ihren spezifischen Fähigkeiten entsprechend gezielter einsetzen und
  • neue Stellen vermehrt durch 50-65-jährige und über 65-järige
  • Fach- und Führungskrafte besetzen.

Was halten Sie von diesen Ansätzen? Lässt sich das in der Praxis umsetzen?

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