Freelancer engagieren: was Unternehmen beachten sollten

Freelancer sind für Arbeitgeber eine attraktive Option, wenn es darum geht, schwankende Auftragslagen oder projektbezogene Aufträge effizient abzuwickeln. Dabei ist für Unternehmen einiges zu beachten, wenn sie bei der Beschäftigung freier Mitarbeitender unangenehme Überraschungen vermeiden möchten.

Vom Start-up bis zur Grossunternehmung kann eine Anstellung von Freelancern sinnvoll sein. Solche freien Mitarbeiter bieten Ihr Expertenwissen sich beispielsweise bei schwankender Auftragslage an. Auch bei fix definierten Projekten oder Aufträgen fernab vom Tagesgeschäft bereichern Freelancer mit Ihrem ausgeprägten Know-how ein Unternehmen. Kurz: Freelancer steigern die Flexibilität eines Unternehmens und erhöhen Personalkosten nur so weit wie nötig.

Freelancer können weder als Arbeitnehmende noch als Selbständige bezeichnet werden, Ihr Anstellungs-Verhältnis ist eine Mischform und schwankt oftmals zwischen diesen beiden Extremen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bietet zur Unterscheidung (unter anderem) folgende Kriterien an, die auf eine selbständige Erwerbstätigkeit hindeuten:

  • «Handeln unter eigenem Namen auf eigene Rechnung»
  • «Tragen der Unkosten und des Verlustrisikos»
  • «Selbständiges Festlegen der Arbeitszeiten»
  • «Tätigsein für mehrere Auftraggeber»

 

Und folgende Punkte weisen laut SECO (unter anderem) auf ein unselbständige Erwerbstätigkeit hin:

  • «Keine massgebliche Entscheidungsbefugnis über Investitionen und Personalfragen»
  • «Handeln in fremdem Namen und auf fremde Rechnung»
  • «Zuweisung eines Arbeitsplatzes»
  • «Regelmässige Arbeit für den gleichen Arbeitgeber»
  • «Bereitstellen von Arbeitsgerät oder -material durch den Arbeitgeber»
  • «Periodische Entgeltleistungen: Monatslohn, Stundenlohn etc.»

 

Unter Berücksichtigung aller Einstufungs-Kriterien sollten Arbeitgeber von Fall zu Fall abwägen, ob bei der Anstellung von Freelancer dem Arbeitsrecht oder dem im Obligationenrecht (OR) unter Art. 394 geregelten Auftragsrecht zu entsprechen hat.

Besteht für Arbeitgeber eine Beitragspflicht?

Ob für Arbeitgeber gegenüber freien Mitarbeitenden eine Beitragspflicht an Sozialversicherungen (AHV, IV, EO und ALV) besteht, wird von mehreren Umstände beeinflusst. Bis zu einem Jahreslohn von CHF 2‘300 besteht für Arbeitgeber grundsätzlich noch keine Beitragspflicht – grundsätzlich. Denn für gewisse Branchen (Privathaushalt, diverse Kunstschaffende, Radio und Fernsehen u.ä.) besteht bereits unter einem Jahresgehalt von CHF 2‘300 eine Beitragspflicht.

Scheinselbständigkeit vermeiden

War ein Mitarbeitender für eine Unternehmung tätig, sollte dieser nicht unmittelbar nach seiner Anstellung als Freelancer engagiert werden. Der Grund: Befindet die AHV, dass mit dem Wechsel des Anstellungsverhältnisses eine Scheinselbständigkeit vorliegt, kann dies für Arbeitgeber hohe finanzielle Kosten nach sich ziehen. Die AHV definiert solche Scheinselbständige nämlich nachträglich als Arbeitnehmende und verlangt vom Arbeitgeber Nachzahlungen der Sozialversicherungsabgaben für die letzten fünf Jahre. Hat der Freelancer für diesen Zeitraum seine AHV-Abgaben nicht bezahlt, sieht sich ein Unternehmen sogar mit der Situation konfrontiert, Schwarzarbeit unterstützt zu haben.

Um unangenehmen Überraschungen vorzubeugen, empfiehlt es sich für Arbeitgeber, von Freelancern eine Bescheinigung über ihre Selbständigkeit einzufordern oder direkt von der zuständigen kantonalen Ausgleichskasse einen Auszug zu verlangen. Damit sollte einer flexiblen, gewinnbringenden und effizienten Zusammenarbeit nichts mehr im Weg stehen.

1 Comment
  • Bora

    2. März 2018 at 9:29

    Besten Dank für die Artikel und die Infos über Sozialversicherungsbeiträge.

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